Warum manche Menschen am Drama festhalten – und gleichzeitig darunter leiden

In der Arbeit mit Menschen begegnet uns immer wieder ein paradoxes Verhalten:
Manche halten an Drama, Chaos oder negativem Denken fest – obwohl genau das sie leiden lässt.
Sie wünschen sich Ruhe, Leichtigkeit und innere Freiheit … und doch scheinen sie immer wieder in denselben Mustern zu landen.

Warum ist das so?
Warum fühlt sich Glück manchmal verboten an und Unglück familiär? Dieser Frage möchte ich heute nachgehen.

Das Vertraute fühlt sich sicherer an als das Gute
Unser Nervensystem liebt Wiederholung. Auch wenn diese Wiederholung unangenehm ist. Wer in seinem Leben viel Stress, Konflikt oder innere Spannung erlebt hat, kennt diese Zustände besser als Stille oder Geborgenheit. Dann wirkt Frieden zunächst irritierend. Ruhe wird als „falsch“ oder „ungewohnt“ empfunden.

Der Körper lernt: Drama = bekannt = sicher.

Glück hingegen: unbekannt = potenziell bedrohlich.

Es ist also kein „Festhalten am Leid“ – sondern ein Festhalten an Vertrautheit.

Das Drama erfüllt oft eine unbewusste Funktion
Psychologisch spricht man von sekundärem Gewinn.

Drama kann – rein unbewusst – mehrere Vorteile bringen:

  • Aufmerksamkeit und Zuwendung

  • das Gefühl, gebraucht zu werden

  • Legitimation für Rückzug oder Pausen

  • das Gefühl, „etwas im Griff“ zu haben

Diese Effekte entwickeln sich nicht absichtlich. Sie entstehen, weil das Unterbewusstsein immer versucht, das zu tun, was in diesem Moment Sicherheit verspricht.

Die eigene Identität ist an das Unglück geknüpft
Viele Menschen haben über Jahre oder Jahrzehnte gelernt:

  • „Ich bin die, die immer kämpfen muss.“

  • „Ich bin der, dem nie etwas leichtfällt.“

  • „Glück ist nichts für mich.“

Diese Sätze sitzen oft tief. Und wenn Unglück Teil der Identität geworden ist, bedeutet Loslassen eine Art inneren Tod: Wer bin ich ohne meine alten Geschichten?

Das Unterbewusstsein schützt die Identität – auch dann, wenn sie einschränkt.

Kontrolle durch Negativität
Es klingt paradox, aber viele Menschen nutzen negativ denken als eine Art Selbstschutz.

  • Wenn ich erwarte, dass es schlecht läuft, kann ich nicht enttäuscht werden.

  • Wenn ich im Drama bleibe, bleibe ich vorbereitet.

Dieses Muster stammt oft aus Zeiten, in denen der Mensch wirklich wachsam sein musste. Heute jedoch verhindert es Nähe, Vertrauen und Freude.

Ein dysreguliertes Nervensystem sucht Intensität
Manche Menschen sind so an innere Alarmzustände gewöhnt, dass Ruhe sich leer oder langweilig anfühlt. Drama bringt Energie, Spannung, Bewegung. Das Nervensystem holt sich, was es kennt – nicht unbedingt, was es braucht.

Die zugrunde liegende Wahrheit: Niemand hält bewusst am Drama fest
Kein Mensch wählt Drama, Schmerz oder Leid aus Bosheit oder Schwäche.
Niemand entscheidet: „Ich will unglücklich sein.“

Diese Muster sind Lösungsversuche der Psyche. Sie sind alt, manchmal überholt, aber sie hatten einmal eine Funktion. Der erste Schritt zur Veränderung ist daher kein Kampf gegen sich selbst, sondern Mitgefühl für die eigene Geschichte.

Die gute Nachricht: Drama kann verlernt werden
Mit hypnotherapeutischer Arbeit, Bewusstwerdung, Nervensystemregulation und neuen Erfahrungen kann sich das innere Gleichgewicht verändern.

Die Tür des Käfigs war die ganze Zeit offen – aber erst, wenn wir verstehen, warum wir darin geblieben sind, kann der erste Flügelschlag hinaus wirklich gelingen.

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Glück findet man oftmals wenn man nicht danach sucht

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Die Vergangenheit entsteht im Jetzt